Auf den ersten Blick hatte die Wohnung alles. Eine Veranda, Palmen vor dem Fenster, ein Blick bis zum Meer, und der Makler hatte den guten Geschmack, nichts dazu zu sagen, sondern Karl einfach zwei Minuten schauen zu lassen.
Karl schaute zwei Minuten. Dann ging er ins Bad und drehte den Hahn auf.
Das ist der Unterschied zwischen einem Urlaubsgast und jemandem, der bleiben will. Der eine sieht die Aussicht, der andere fragt sich, wie der Morgen aussieht, an dem man es eilig hat.
Wasser
Wasser kommt nicht überall mit demselben Selbstverständnis aus der Leitung wie in Deutschland. In vielen Häusern gibt es eine Zisterne oder einen Tank auf dem Dach, dazu eine Pumpe, die das Wasser hochbringt. Das funktioniert gut, wenn die Anlage in Ordnung ist, und man merkt es im Alltag überhaupt nicht.
Man sollte nur wissen, dass es sie gibt. Die nützlichen Fragen sind einfach: Woher kommt das Wasser, wie groß ist der Tank, wer füllt ihn, und was passiert, wenn der Strom weg ist. Bei einer Pumpe ohne Notstrom steht die Dusche still, sobald das Licht ausgeht. Das ist kein Drama, aber es ist gut, davon vorher zu wissen und nicht am ersten Sonntagmorgen.
Zum Trinken kauft fast jeder Haushalt das große Wasser im Ballon, das geliefert wird. Das ist normal, günstig und niemandem peinlich.
Strom
Die zweite Frage stellt man am besten gleich hinterher, weil sie mit der ersten zusammenhängt. Gibt es einen Inverter, einen Generator oder beides, und was genau hängt daran.
In vielen Wohnungen versorgt der Inverter Licht, Steckdosen, Router und Kühlschrank, aber nicht die Klimaanlage, weil die zu viel zieht. Wer nachts gekühlt schlafen möchte, spricht das vorher an. Wir haben dazu einen eigenen Artikel, in dem die Technik in Ruhe erklärt ist.
Die Lage, und was sie im Alltag bedeutet
Im Urlaub zählt die Entfernung zum Strand. Im Alltag zählt die Entfernung zu allem anderen.
Wie weit ist der nächste vernünftige Supermarkt, und kommt man ohne Auto dorthin. Wie ist die Straße bei Regen. Gibt es abends Licht auf dem Weg zur Wohnung. Wo ist die nächste Klinik oder Praxis, der man vertraut, und wie kommt man nachts dahin. Das sind unspektakuläre Fragen, und sie entscheiden mehr über die Zufriedenheit als jede Aussicht.
Ein Tipp, der sich immer wieder bewährt: Wohnung zweimal ansehen, einmal vormittags und einmal am Abend. Manche Straßen sind zu verschiedenen Tageszeiten verschiedene Straßen, im Guten wie im Weniger-Guten. Wer eine Nacht in der Wohnung verbringen kann, bevor er unterschreibt, weiß fast alles.
Nachbarschaft
Der Punkt, den man beim Besichtigen am wenigsten prüfen kann und der am meisten ausmacht.
In einer verwalteten Anlage bekommt man Ruhe, Sicherheit und jemanden, der sich um die Technik kümmert. Man wohnt dafür oft überwiegend unter anderen Zugezogenen. In einem normalen Wohnviertel bekommt man das dominikanische Leben mit, samt Musik, Nachbarn und Kindern auf der Straße, und man kommt viel schneller an.
Beides ist richtig, es sind nur unterschiedliche Wünsche. Die meisten wissen erst nach ein paar Monaten, was ihnen liegt. Deshalb ist der erste Mietvertrag am besten ein kurzer.
Lüftung, Licht und die kleinen Dinge
Ein paar Sachen fallen erst auf, wenn man länger bleibt.
- Woher kommt der Wind. Eine Wohnung mit Durchzug ist im Alltag angenehmer als eine mit starker Klimaanlage.
- Wo steht die Sonne nachmittags. Eine Westterrasse ist von zwei bis fünf Uhr eine schöne Idee, die man nicht benutzt.
- Gibt es Fliegengitter, und lassen sich die Fenster wirklich schließen.
- Wo hängt die Wäsche. Klingt banal, ist es nach drei Wochen nicht mehr.
- Wie ist das Internet, wenn es regnet, und nicht nur, wenn die Sonne scheint.
Was Karl gemacht hat
Er hat die Wohnung mit dem Meerblick nicht genommen. Nicht wegen des Wasserdrucks, der war in Ordnung, sondern weil der nächste Laden zwanzig Minuten entfernt war und der Weg dorthin abends unbeleuchtet.
Die Wohnung, die er genommen hat, liegt in der zweiten Reihe. Vom Balkon sieht man ein Stück Meer, wenn man sich nach links lehnt. Karl lehnt sich jeden Morgen nach links und findet, das reicht vollkommen.
